„Nachrichten überfordern mich“ – 7 Tage Tagesschau

Als Journalismusstudentin wird von einem erwartet, dass man über die aktuellen Geschehnisse in den Bereichen Politik und Wirtschaft Bescheid weiß – ob das nun die Ressorts sind, in denen man später arbeiten möchte, oder nicht. Aber nicht nur von uns zukünftigen Nachrichtenmachern wird das Nachrichtenschauen erwartet, sondern eigentlich von jedem, ab einem bestimmten Alter und Bildungsgrad.

Ich bin 20 und habe das Gefühl, den Moment verpasst zu haben, in dem man anfängt regelmäßig Nachrichtensendungen zu schauen oder Tageszeitungen zu lesen. Die intensive Auseinandersetzung mit aktuellen politischen oder wirtschaftlichen Ereignissen hat nie einen Platz in meinem Alltag gefunden. Das habe ich immer damit erklärt, dass ich es nicht für sinnvoll halte mich täglich mit negativen Gegebenheiten, die ich eh nicht ändern kann, auseinanderzusetzen und meine Allgemeinbildung völlig ausreichend ist. Vielleicht war diese Erklärung, aber auch nichts weiter als eine Rechtfertigung dafür, meine abendlichen Youtubevideos von denen ich mich einfach nur berieseln lasse nicht durch anspruchsvollere Nachrichtenformate zu ersetzen.

Faulheit und Ignoranz sollten keinen Platz in meinem Leben finden, zumindest nicht in meiner Idealvorstellung davon. Aus diesem Grund habe ich mich dafür entschieden, mir während 7 Tagen, jeden Abend vor dem Schlafengehen die Tagesschau von 20 Uhr in der Mediathek anschauen, um zu sehen, wie sich diese Routine auf meinen Gemütszustand, mein Wissen und meinen Alltag auswirkt. Mir ist natürlich bewusst, dass 7 Folgen Tagesschau nicht mein Leben verändern und die Ergebnisse durch äußere Faktoren beeinflusst werden können – aber das, was ich hier schreibe, soll ja auch keine wissenschaftliche Untersuchung, sondern ein subjektiver Erfahrungsbericht sein.

So, there we go!


Liebes Tagesschau-tagebuch, …

Tag 1: Dienstag, 21. August 2018 (22:24 Uhr)

Um meinen aktuellen Wissenstand zu erfassen, beziehe ich mit auf den „Wissenstest des Tages“ von „Zeit Online“. Hierbei erreiche ich an Tag 1 meines Experimentes ganze 2 von 8 Punkten – nur in den Bereichen Digitalisierung und Kunst kenne ich mich aus.

Daraufhin schaue ich mir die Tagesschau an. 16 Minuten in denen es mir sichtlich schwer fällt, mich auf die Inhalte zu konzentrieren – immer wieder verspüre ich das Bedürfnis nach meinem Handy zu greifen oder merke, wie meine Gedanken abschweiften. Im Nachhinein kann ich mich noch höchstens an die Hälfte der Nachrichten erinnern und die meisten Details sind schnell wieder vergessen.

Nach diesen 16 Minuten fühle ich mich müde, irgendwie erschöpft  – als hätte die Flut an Informationen mir meine Energie geraubt. Ich habe Abitur und studiere erfolgreich, aber so ein paar Nachrichten überfordern mich?! Traurig aber wahr.

Positiv überrascht hat mich die Tatsache, dass neben 4 negativen und 2 neutralen Nachrichten, 3 positive Themen beleuchtet wurden. Ich hätte da ein noch größeres Ungleichgewicht erwartet. Was ich gut fand und was mir gerade zum ersten Mal aufgefallen ist, ist, dass die ‚guten Nachrichten‘ erst am Ende kommen, so geht man doch mit einem Recht positiven Gefühl schlafen.

Tag 2. Freitag, 24. August 2018 (22:27 Uhr)

Den aufmerksamen Lesern unter euch fällt jetzt auf, dass der Freitag normalerweise nicht auf den Dienstag folgt. In diesem Fall leider schon: Am Mittwoch habe ich mein Vorhaben, mir jeden Abend die Tagesschau anzuschauen schlichtweg vergessen, am Donnerstag hatte ich nach einem langen, anstrengenden Tag nicht mehr die Muse dazu. Aber jetzt geht das Experiment weiter, ab heute wieder täglich!

In der Tagesschau von diesem Freitag fällt mir auf, dass es wenig gute oder schlechte Nachrichten gibt, sondern eher neutrale. Mir kommt es vor, als gäbe es heute nicht viel Wichtiges zu berichten. Abgesehen von mittelschlimmen Naturkatastrophen scheint nicht viel zu passieren, aber das ist wohl das berühmte Sommerloch und wahrscheinlich ein Grund zur Freude – keine schlechten Nachrichten sind ja eigentlich eine gute Nachricht, oder nicht?!

Auch heute bin ich nach den 15 Minuten müde, aber diesmal ist es keine Erschöpfung aufgrund der Informationsmenge, sondern eher die Langeweile, die bei mir währenddessen aufgekommen ist. Ich glaube, bei mir ist noch nicht so ganz angekommen, dass diese Art Fernsehsendung nicht zu Unterhaltung, sondern zur Information dienen soll.

Tag 3: Samstag, 25. August 2018 (23:44 Uhr)

Heute ist meine einzige Motivation, mir die Sendung anzuschauen dieser Blogpost – ich möchte das Experiment durchziehen, Lust mich jetzt noch mit derartigen Themen zu beschäftigen habe ich eher weniger. Heute war so ein Tag, an dem ich keine Sekunde alleine verbracht habe und eigentlich kein Platz für die Tagesschau war. Trotzdem habe ich mir die 18 Minuten Informationsüberfluss gegönnt.

Ich habe das Gefühl, nur sehr oberflächige Informationen aus der Sendung mitzunehmen. Das lag einerseits an meiner Müdigkeit, andererseits aber auch an den Themen. Während ich am Vortag die Informationen als irrelevant empfunden zu haben, wurde heute eine Vielzahl an wichtigen Bereichen besprochen: Renten- und Sozialpolitik, Flüchtlinge, USA,…

Dieser Tag hat mir gezeigt, dass es Tage gibt, an denen die Tagesschau einfach nicht reinpasst, und wo ich dann auch nichts als Erschöpfung und Verwirrung mitnehme.

Tag 4: Sonntag, 26. August 2018 (23:45 Uhr)

Relativ lustlos und ohne große Erwartungen ging ich wie die letzten 3 Abende an die Sache heran – doch heute wurde ich positiv überrascht. Heute ist der erste Tag, an dem sich das abendliche Anschauen der Tagesschau nicht wie ein Zwang anfühlt. Die viertel Stunde vergeht wie im Flug, zum ersten Mal war ich wirklich interessiert an dem, was gesagt wurde. Das lag größtenteils daran, dass viele Themen aufkamen, die ich aus den vergangenen Tagen bereits kannte und wozu ich somit einen Bezug hatte. Was außerdem dazu geführt hat, dass es angenehmer war, war die Tatsache, dass ich nebenbei einen Blogpost gelayoutet habe, also nichts wo man sich konzentrieren muss, aber halt eine kleine Tätigkeit nebenbei.

Tag 5: Montag, 27. August 2018 (23:50 Uhr)

Auch an diesem Tag werde ich wieder mit Themen konfrontiert, die ich bereits aus vergangenen Ausgaben der Tagesschau kenne. Darauf hin frage ich mich, ob diese Sendung es überhaupt schafft alle relevanten Geschehnisse zu thematisieren, wenn tagelang über das Gleiche gesprochen wird? Die Frage kann ich mir eigentlich selber mit „Nein“ beantworten, da das natürlich auch nicht möglich ist. Um umfassend informiert zu sein muss man wahrscheinlich auf verschiedene Medien/Herausgeber zurückgreifen, bestenfalls auch aus verschiedenen Ländern.

Was mein Empfinden beim Anschauen der Sendung angeht, merke ich, dass es mir immer leichter fällt, mich dabei zu konzentrieren und mir die angesprochenen Themen immer weniger fremd sind. Die Tagesschau ist wohl nichts für eine Nacht, sondern wird auf Dauer immer besser, I guess.

Tag 6: Dienstag, 28. August 2018 (21:17 Uhr)

Auch an diesem Tag fällt es mir leicht, mich für die Tagesschau zu motivieren. So langsam wird es zur Gewohnheit und mir stellt sich gar nicht mehr die Frage „Soll ich mir jetzt 15 Minuten Nachrichten geben?“, sondern ich mach es einfach. Heute finde ich die meisten Nachrichten auch interessant, aber das ist natürlich unmöglich jeden Tag zu erreichen, da jeder sich für andere Themen interessiert.

Tag 7: Mittwoch, 29. August 2018 (21:33 Uhr)

Das war wieder ein Tag mit „neutralen“ Nachrichten, was aber gleichzeitig heißt dass nichts wirklich Schlimmes passiert ist. Auch am letzten Tag des Experimentes empfinde ich das Anschauen der Tagesschau als angenehm. Das Einzige was mir immer noch schwer fällt, ist, mich ausschließlich auf die Nachrichten zu konzentrieren – ich habe immer den Drang, nebenbei am Handy oder Laptop zu sein oder über das Frühstück von morgen nachzudenken.

Zum Abschluss dieses Selbstversuches, habe ich dann erneut den Wissenstest, den ich auch an Tag 1 gemacht hatte, gemacht. Ich erreichte diesmal 7 von 8 Punkten. Demnach hat sich meine Allgemeinbildung im Bezug auf aktuelle Themen in den vergangenen 7 Tagen anscheinend verbessert. Oder ich hatte einfach nur Glück, aber davon möchte ich nach den „Strapazen“ der letzten Tage jetzt mal nicht ausgehen.


Fazit

  • Nachrichten sind nicht immer langweilig und je mehr man sich damit auseinandersetzt, desto interessanter werden sie.
  • Es soll sich nicht wie ein Zwang anfühlen und für mich persönlich ist das Nachrichtenschauen am angenehmsten, wenn ich nebenbei noch etwas anderes mache.
  • Nachrichtenschauen ist, wie so vieles anderes, eine Gewohnheitssache.
  • Der positiv/negativ Anteil ist gar nicht so unausgewogen, wie ich immer dachte, das negative bleibt nur länger im Gedächtnis.
  • Um umfassend informiert zu sein, reicht die Tagesschau allein wahrscheinlich nicht aus.
  • 15 Minuten Tagesschau passt nicht in jeden Tag, aber ich werde versuchen Nachrichten, in welcher Form auch immer so gut wie möglich in meinen Alltag zu integrieren.

Ich hoffe, dieser Selbstversuch war für irgendjemanden interessant und ich konnte vielleicht auch jemanden von euch dazu anregen die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen. Und nein, ich werde Youtube nicht durch die Tagesschau ersetzten, so weit ist’s noch nicht gekommen. Allerdings werde ich versuchen jeden Tag ein paar freie Minuten, dazu zu nutzen und mich über die aktuelle Lage in verschiedenen Medien zu informieren.

Wie sieht euer Nachrichtenkonsum aus? Ist das ein fester Bestandteil eures Alltags oder tut ihr euch auch schwer damit? Hinterlasst mir gerne eure Meinungen und Erfahrungen in den Kommentaren.

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