Geld für digitale Produkte ausgeben?

Menschen geben für alles Mögliche Geld aus – Klamotten, Schmuck, Kosmetik, Elektronik, Fitnessgeräte, Autos. Aber bei digitalen Produkten ist die Schmerzgrenze erreicht. Irgendwie scheint es in der Natur des Menschen zu liegen, dass er das was er bezahlt „anfassen können“ möchte. Vielleicht kommt das daher, dass man in der Schule lernt, dass Dingwörter das beschreiben, was man „anfassen kann“. Vielleicht auch weil man Geld, das nicht dazu führen, dass man irgendein Produkt in den Händen hält, mit lästigen Ausgaben wie Stromkosten, Heizkosten oder Versicherungskosten verbindet. Ich weiß nicht wo diese Mentalität, die ich auch bei mir selbst teilweise bemerke, herkommt – aber ich weiß, dass in einer digitalisierten Welt kein Platz für sie ist.

Wieso sollte ich für eine App Geld zahlen, wenn’s auch kostenlose gibt?!

Ich glaube, Apps ist so ziemlich der Bereich, in dem die Zahlungsbereitschaft am geringsten ist. Es gibt so viele kostenlose Angebote, dass die 2-5€, die manche Anbieter dafür verlangen, wie Wucher erscheinen. Wenn wir uns einen Taschenrechner kaufen, geben wir Geld aus. Wenn wir uns einen Kalender kaufen, geben wird Geld aus. Bezahlen für eine Taschenrechner- oder Kalenderapp? Niemals? Obwohl wir aus beidem genau gleichen Nutzen ziehen, sind wir für das eine bereit, vergleichsweise hohe Preise zu zahlen, während wir für das eine nicht mal wenige Euros ausgeben. Irgendwie paradox…

… aber doch verständlich. Für das eine sind wir gewohnt Geld auszugeben, weil wir gar keine andere Möglichkeit haben, während es für das andere unzählige kostenlose Alternativen gibt. Wohl alles Gewohnheitssache.

Allerdings ist das auch schade, weil wir uns so vor tollen Applikationen verschließen, nur weil diese auf Werbung verzichten oder noch mehr in die Qualität investieren wollen. Klar, wenn Gratisapps sich von der Leistung her nicht von den kostenpflichtigen unterscheiden, sollte man bei diesen bleiben. Man sollte jedoch nicht von vorne herein mit dem Gedanken „Ich gebe kein Geld für Apps aus“ losgehen. Vergleicht die Apps untereinander, nicht nur was den Preis, sonder auch die Qualität angeht.

Die ersten paar Jahre mit Smartphone, habe ich eigentlich nur kostenlose Apps verwendet und auch jetzt benutze ich noch überwiegend Gratis-Applikationen. Allerdings gibt es auch welche, bei denen ich gerne etwas Geld ausgegeben habe, weil sie genau das bieten, was ich brauche und das ist mir dann auch jeden Cent wert. VSCO Cam ist zum Beispiel so eine, bei der ich gerne ein paar Euro gezahlt habe, um mehr Möglichkeiten zu haben, was die Bildbearbeitung angeht.

Wieso sollte ich Musik kaufen, wenn ich sie auch illegal downloaden kann?

Für Musik – die nicht auf einer CD ist – Geld ausgeben ist auch so ein Ding, das mich schon Überwindung gekostet hat. Es gibt einfach online so viele Möglichkeiten kostenlos an Mp3-Dateien zu kommen, dass man gar nicht auf die Idee kommt, dafür zu bezahlen. Gerade, weil es auch nicht gerade günstig ist – 10 Euro für 1 Album… und man hört ja nicht nur eins.

Trotzdem gibt es zwei Gedanken, die mir bei meinen kostenlosen Musikdownloads immer im Kopf herumgeschwirrt sind. 1. Ist es irgendwie respektlos den Künstlern gegenüber, die Arbeit, Zeit und auch Geld in die Produktion von Musik stecken, die wir dann einfach umsonst auf irgendwelchen komischen Websites oder Apps herunterladen. Während ich dieses Argument noch mit dem Gedanken „Justin Bieber geht jetzt nicht pleite, wenn er meine 99 Cent nicht bekommt“ abtun konnte, war das zweite doch etwas überzeugender. Es ist illegal. Man hat immer wieder von Geschichten gehört, wo dann plötzlich die Polizei bei jemandem vor der Tür stand, der illegal Musik heruntergeladen hat. Vielleicht auch nur Panikmache – keine Ahnung. Im Endeffekt hab ich beide Gedanken ignoriert und fröhlich weiter Musik gehört.

Trotzdem habe ich immer wieder mit Spotify geliebäugelt und habe dann bei dem 3-Monate-für-99Cent-Angebot zugeschlagen. Natürlich habe ich das Abo nach den 3 Monaten nicht gekündigt – ich hatte viel zu viel Gefallen daran gefunden. Seit über 1,5 Jahren zahle ich nun den regulären Preis für dieses Abo und muss echt sagen, dass dieses Geld so so gut investiert ist. Viel einfacher und praktischer als die ganzen Downloads, ein riesen Angebot und legal. Da hätte ich mich ruhig früher zu überwinden können.

Wie so sollte ich für Journalismus bezahlen, wenn ich die Informationen auch gratis bekomme?!

Ein Thema was auch in meinem Studium, immer wieder aufkommt, ist die sogenannte „Zeitungskrise“ aufgrund von (unter anderem) dem Aufkommen des Onlinejournalismus. Online findet man so viele kostenlose Nachrichtenangebote, dass kaum jemand bereit ist, für Paid-Content Geld auszugeben – ich eigentlich auch nicht.

News apps, die dir deinen persönlichen Nachrichtenfeed, angepasst an deine Interessen und Bedürfnisse liefern, Podcasts von Nachrichtensendungen oder auch Internetseiten von Zeitungen und Magazinen bieten mehr Nachrichten als man braucht. Nur die wenigsten sind bereit, für E-paper oder einzelne Beiträge zu zahlen, da man eigentlich alles so oder so ähnlich irgendwo in einer Gratis-Variante findet.

Der Ursprung dieses Problems liegt in einem Fehler, den die Zeitungshäuser zu Anfang des Internetzeitalters begangen haben – sie haben alles komplett kostenlos angeboten. Ein Fehler, unter dessen Folgen sie bis heute leiden und den man kaum rückgängig machen kann. Die Leser haben sich daran gewöhnt, dass Informationen die man online findet, kostenlos sind – verständlich dass die dann auf Paywalls oder Ähnliches mit Abneigung reagieren. Hätte man von Anfang an kleine Beträge bezahlen müssen, um im Internet Artikel lesen zu können, hätte wohl keiner ein Problem damit.

Wieso sollte ich überhaupt für digitale Produkte Geld ausgeben, wenn es alles in einer kostenlosen Variante gibt?

Genau das Problem, was Onlinejournalismus hat, haben auch alle anderen digitalen Produkte. Es gibt kostenlose Alternativen. Wenn es die nicht gäbe und nie gegeben hätte, würde wahrscheinlich auch keiner sich beschweren einen angemessenen Preis dafür zu zahlen.

Unsere Abneigung, für digitale Produkte Geld auszugeben, wirkt sich aber nicht nur negativ auf deren Hersteller aus, sondern auch auf uns selbst. Wir schließen all das, was etwas kostet aus Prinzip aus und verpassen so vielleicht Dinge, die uns im Endeffekt jeden Cent wert wären.

Wir sollten nicht nur Preise vergleichen, sondern vielmehr Preis/Leistung und uns von dem Gedanken trennen, dass Geld, das man für digitale Produkte ausgibt, aus irgendeinem Grund automatisch schlecht investiert ist.


Welche digitalen Produkte habt ihr euch schon gekauft & habt ihr’s bereut? Hinterlasst mir gerne eure Meinungen und Erfahrungen in den Kommentaren! 🙂

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