Ich und das Lesen

Bücher und haben eine komische Beziehung – irgendwie ist es eine Hassliebe. Es gab Phasen, da hätte ich mich als Bücherwurm bezeichnet und andere, in denen kein Buch angefasst habe. Ich hasse nichts mehr als den Geruch von Bibliotheken, aber würde trotzdem gerne das Wissen aus all den Büchern aufsaugen – irgendwie problematisch. Mittlerweile ist unsere Beziehung wieder etwas harmonischer, wir haben Kompromisse gefunden.

Als Kind habe ich super gerne gelesen – „das magische Baumhaus“ und „die wilden Hühner“ habe ich regelrecht verschlungen. Ich wollte zu dem Zeitpunkt sogar mal Schriftstellerin werden, so groß war mein Interesse an Literatur – insofern man die wilden Hühner als solche bezeichnen kann. Irgendwann, gegen Ende der Grundschulzeit, ist diese Liebe allerdings verflogen. Ab dem Zeitpunkt waren Bücher für mich nichts mehr, was ich freiwillig angefasst hätte.

In der Schulzeit, waren die Bücher, die wir lesen sollten, immer die Aufgabe, an der ich am wenigsten Spaß hatte. Viel lieber hätte ich selber geschrieben oder von mir aus auch stundenlang Mathe-Aufgaben gelöst. Meistens ist es, ehrlich gesagt, auch so geendet, dass ich zwar versucht habe, das Buch zu lesen, die Motivation aber nach spätestens 100 Seiten weg war und ich auf Zusammenfassungen aus dem Internet umgestiegen bin – hat für die Klausuren auch immer gereicht. Seitdem war das Lesen für mich nie eine Freizeitaktivität, sondern immer eine Pflicht, die ich versucht habe weitestgehend zu umgehen.

Da ich einen Studiengang gewählt habe, der mehr darauf basiert, selber zu schreiben, als wirklich viel zu lesen, hat das mit dem Umgehen in den ersten beiden Semestern auch weiterhin recht gut geklappt. Doch damit war seit Oktober Schluss. In Medien- und Kommunikationswissenschaft hat die Dozentin doch tatsächlich von uns verlangt, jede Woche 60 Seiten zu lesen – eine Frechheit. Man kam da auch nicht dran vorbei, weil man in jeder Vorlesung eine Zusammenfassung vom jeweiligen Text abgeben musste, die in die mündliche Note mit ein fließt. Anfangs habe ich diese Frau dafür verflucht, aber jetzt, ca. 20 Texte später, bin ich doch ganz froh über ihre Anforderungen an uns.

Jedes Mal, wenn ich einen dieser philosophischen Texte gelesen habe, dachte ich mir nur „boah ich hab keine Lust mehr“. Genauso dachte ich mir aber auch jedes Mal, wenn ich in der Vorlesung saß, und wir über die Texte diskutiert haben, „boah wie interessant“. Das Lesen an sich hat mir einfach keinen Spaß gemacht, aber die Themen, die Ideen und die Menschen hinter diesen Texten haben mich jedes Mal auf’s Neue beeindruckt und zum Nachdenken angeregt. Das hat mich irgendwann zu dem Entschluss gebracht, dass ich nur, weil ich nicht gerne lese, nicht all das, was die Autoren zu sagen haben, verpassen möchte.

… und daraus ist dann meine Liebe zu Hörbüchern entstanden. Das was mich an Büchern gestört hat, waren ja nicht die Texte an sich, sondern vielmehr der Prozess des Lesens. Ich finde es einfach anstrengend und so zeitraubend, weil es nicht multi-tasking-kompatibel ist. Genau das, was mir bei „normalen“ Büchern fehlt, haben Hörbücher – ich kann sie beim Kochen, Putzen, Bahn fahren, oder Schminken hören, ohne dass sie mir Zeit und sonderlich viel Energie rauben.

Wer weiß, vielleicht finde ich irgendwann wieder zu Büchern zurück, aber so lange genieße ich die Audiovariante. Höre momentan „Becoming“ von Michelle Obama, bin damit fast durch und freue mich schon, mir das Nächste auszusuchen.

 

 

 

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2 Gedanken zu “Ich und das Lesen

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