Studienwahl: Wie viel kann ich auf Online-Bewertungsportale geben?

Wenn man während oder nach seinem Abitur auf der Suche nach dem passenden Studium ist, stößt man immer wieder auf diese Bewertungsportale – wie Tripadvisor nur für Studiengänge und Hochschulen. Hier werden Aspekte, wie Studieninhalte, Dozenten, Organisation, Ausstattung usw. von Studenten bewerten. Aber kann man diesen vertrauen und seine Studienwahl von den Bewertungen abhängig machen?

Noch vor kurzem wurde eine negative Bewertung einer Studentin, die bei uns studiert hat, in die Gruppe von unserem Kurs gepostet. Wir haben alle darüber gelacht, weil diejenige sich total da reingesteigert hat und einen seitenlangen Text verfasst hat, indem sie alles kritisiert hat, was es nur zu kritisieren gab. Keiner von uns konnte ihre Kritikpunkte nachvollziehen – und wie glaubwürdig ist eine solche Bewertung, wenn 25 Leute, die seit 3 Semestern dort studieren, das, was sie sagt nicht im geringsten nachempfinden können?

Wir konnten darüber lachen, weil wir wissen, dass es übertrieben und fern von der Realität war. Aber jemand, der keinen Bezug zu der Hochschule hat und sowas liest, wird vielleicht abgeschreckt. Das Problem ist, dass die, die unzufrieden sind, immer am lautesten schreien, während die anderen nicht unbedingt das Bedürfnis haben, ihre Meinung mitzuteilen. So entsteht schnell ein unausgewogenes Bild und eine Hochschule rückt in ein falsches Licht.

Was macht eine Bewertung unglaubwürdig? Diese Frage sollte man sich stellen, bevor man sich in einem solchen Portal informiert. Für mich sind das vor allem folgende 3 Dinge:

  1. Geladen von Emotionen – Schimpfwörter, sarkastische Bemerkungen und unsachliche Aussagen sind in einer solchen Bewertung fehl am Platz. Daran merkt man gleich, dass die Motivation, die Kritik zu verfassen eine persönliche und keine rationale, auf Tatsachen basierende ist.
  2. Hinweis auf den Grund für die Bewertung – Die Erwähnung von nicht bestandenen Klausuren, persönlichen Problemen mit Dozenten oder ähnlichem müssen nicht, aber können ein Hinweis dafür sein, dass die Bewertung eher aus Rache zustande gekommen ist.
  3. Keine positiven Bemerkungen – Ich glaube nicht, dass es eine Uni gibt, bei der alles schlecht ist und einem überhaupt nichts gefällt. Wenn es einem darum geht, eine Hochschule bewusst in ein schlechtes Licht zu stellen, erwähnt man nur negative Punkte. Wenn man aber die Absicht hat, zukünftige Studenten zu informieren, wird man beide Seiten aufzeigen.

Um sich einen ersten Eindruck von einer Hochschule zu verschaffen, sind Bewertungsportale sicherlich keine schlechte Sache. Allerdings sind sie mit Vorsicht zu genießen und ich würde meine Studienwahl nicht davon abhängig machen. Stattdessen finde ich es wichtiger, sich über folgende Wege zu informieren.

  1. Sich nicht-bewertende Beschreibungen des Studiums anschauen – Wenn man sich die Modulinhalte oder sonstige Beschreibungen eines Studiengangs durchliest, merkt man schnell, worauf die Hochschule den Fokus setzt: wie wichtig sind Campusleben, Praxisnähe, selbstständiges Arbeiten usw. Wenn man das dann mit seinen eigenen Vorstellungen vergleicht, kann man abschätzen, ob die Uni zu einem passt oder nicht. Natürlich müssen diese Beschreibungen nicht immer mit der Realität übereinstimmen, aber so kann man schon mal eine erste Selektion machen.
  2. Sich mit Studenten persönlich austauschen – Meistens kennt man jemanden, der jemanden kennt, der da studiert oder man kann online auf Studenten stoßen – einfach mal Leute anschreiben. Hier erfährt man dann, wie das Leben an der Hochschule tatsächlich ist. Natürlich sind auch das nur subjektive Empfindungen, aber ich finde den persönlichen Austausch immer verlässlicher als Onlinebewertungen, bei denen man nichts über den Verfasser und dessen Motivation weiß.
  3. Hingehen und sich selber einen Eindruck verschaffen – Die meisten Hochschulen bieten Schnuppertage und einen Tag der offenen Tür an. Ich würde mich nicht an einer Uni anmelden, die ich noch nie von innen gesehen habe und mir nicht selber einen Eindruck verschafft habe. Auch hier bekommt man keinen Einblick in jeden einzelnen Aspekt des Studiums, aber man bekommt zumindest mal ein Gefühl dafür, wie die Stimmung, die Menschen und die Vorlesungen an dieser Uni so sind.

Bevor man nicht angefangen hat zu studieren, kann man keine 100%ige Sicherheit haben, dass das die Hochschule ist, an der man glücklich wird. Aber man sollte versuchen sich auf so vielen wegen wie möglich ein Bild zu verschaffen. Wenn ich mich damals allein auf Online-Bewertungen verlassen hätte, würde ich heute nicht an meiner Uni studieren – an der ich aber, wie in meinem Beitrag über mein Studium erwähnt, gar nichts zu meckern habe.

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