Der größte Fehler bei der Studien- & Berufswahl

Es ist Juli und wieder hat ein neuer Jahrgang den Abschluss in der Tasche und steht vor der großen Frage „Was jetzt?“. Ich bin sehr froh, dass ich mich mit dieser Frage damals nicht lange herumschlagen musste, weil ich schon ca. 8 Jahre davor mehr oder weniger wusste, wo es für mich hingehen sollte. Leider hat nicht jeder Schulabgänger diese genaue Vorstellung von seiner Zukunft oder diesen einen Traumjob. Ich stelle es mir unglaublich schwer vor, in einem solch jungen Alter diese Entscheidung zutreffen, wenn man noch gar nicht weiß, was eigentlich seine Passion ist – vor allem, weil man von außen das Gefühl bekommt, dass man in dem Moment über seine komplette Zukunft unwiderrufbar entscheidet. Genau in dieser Konzeption liegt aber, meiner Meinung nach, ein großer Fehler.

Die Vorstellung, dass man sich nach der Schule für einen Beruf entscheidet, diesen erlernt und ihm dann sein ganzes Leben, am besten noch bei einem einzigen Arbeitgeber, nachgeht, ist zwar noch unterbewusst in vielen Köpfen verankert, entspricht aber einfach nicht mehr der Realität. Nur 86% der Deutschen wechseln im Laufe ihres Lebens ihren Arbeitsplatz. (Quelle: Statista) Zu Berufs- oder sogar Branchenwechseln konnte ich leider keine Zahlen finden – aber wenn man die Mentalität der Menschen und die unendlichen Möglichkeiten, die man heutzutage hat, in Betracht zieht, wird schnell klar, dass auch das nichts Unnormales mehr ist.

Wie man das jetzt findet, dass Leute immer weniger dazu bereit sind, sich endgültig festzulegen, auch was die Jobauswahl betrifft, ist jedem selbst überlassen. Ich für meinen Teil finde es toll, in einer Generation aufzuwachsen, die aus ihrer Comfort Zone heraustritt, nicht in der Routine versinkt, sich weiterentwickeln und sich selbst verwirklichen möchte. Auch für mein eigenes Leben, kann ich mir nur schwer vorstellen, über Jahrzehnte das Gleiche zu machen – dafür gibt es zu viel, woran ich Spaß habe, was mich interessiert und was ich ausprobieren möchte. Zum Beispiel sehe ich mich gerade zwar eher im digitalen Marketing, was aber nicht heißt, dass mein anfänglicher Berufswunsch, Journalistin zu werden, auf ewig abgeschrieben ist. Mein geheimer utopischer Plan sieht eigentlich so aus, dass es nach 10-20 Jahren in der Unternehmenskommunikation back to the Roots geht und ich in meiner Heimat einen Fernsehsender oder eine Zeitung (wahrscheinlich eher ein Online-Angebot) gründe, um die doch sehr runtergekommene luxemburgische Medienlandschaft etwas aufzupeppen 😉 Vielleicht tut sich in der Medienbranche in 5 Jahren aber auch ein komplett neuer Bereich auf, oder vielleicht entdecke ich sogar meine Liebe zum Radio, werde Pressesprecherin oder unterrichte Medienkompetenzen, wenn es denn endlich als Schulfach eingeführt wird – who knows?!

Einen Tipp, dem ich jedem geben kann, der offen dafür ist, in seinem Leben mehr als einen Beruf auszuprobieren oder vielleicht noch nicht genau weiß, wo er hin möchte, ist es, sich einen relativ breit gefächerten Studiengang zu suchen. Ich wollte damals Journalistin werden, aber ein reines Journalismus-Studium wäre für mich nicht infrage gekommen, da ich mich auch für andere Bereiche der Medienwelt interessiert habe (und noch immer interessiere) – ich wollte mir einfach keine Wege versperren. Jetzt studiere ich Journalismus und Unternehmenskommunikation und habe in diesen 2 Jahren so viele verschiedene Dinge gelernt und verschiedenste Berufe kennengelernt. Dass ich mein Leben in der Medienbranche verbringen werde, da bin ich mir ziemlich sicher und da stehen mir jetzt alle Türen offen – was wahrscheinlich auch der Grund dafür ist, dass ich das ganze mittlerweile etwas lockerer sehe.

Die in Bewerbungsgesprächen so häufig gestellte Frage „Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?“ ergibt meiner Ansicht nach wenig Sinn. Wir leben in einer Zeit in der sich alles so schnell verändert, dass eine solche Prognose sich nur schwer treffen lässt. Man weiß weder, welche Berufsmöglichkeiten es dann überhaupt geben wird, noch, wie man sich bis dahin persönlich weiterentwickelt. Ich mache es mittlerweile so, dass ich ein Jahr im Voraus konkret plane und von den nächsten 5 Jahren ein grobes Bild im Kopf habe – alles, was darüber hinaus geht, lasse ich auf mich zukommen. Dieses Grundvertrauen darin, dass diese Offenheit gegenüber der Zukunft dazu führen wird, dass ich die richtigen Chancen ergreifen werde und im Endeffekt da ankomme, wo ich hingehöre, macht viele Entscheidungen sehr viel leichter.

Mit dem Antreten eines Studiums verpflichtet man sich nicht einem bestimmten Beruf. Man muss nicht mit 18 entscheiden, womit man mit 40 seinen Alltag verbringt. Nur weil man seine Bachelorarbeit über einen bestimmten Branchenaspekt schreibt, heißt das nicht, dass man nicht später in einem anderen Fuß fassen kann. Man wird nicht arbeitslos enden, nur weil man nicht den einen bestimmen Traumberuf hat, dem man sein Leben lang nachgehen möchte. Ich finde, ein Problem hat man nur dann, wenn man an nichts Spaß hat und einem dieses Feuer fehlt, sich in neuen Bereichen auszuprobieren und zu entwickeln. Solange man weiß, was man nicht will und einen groben Plan hat, in welche Richtung man möchte und auch aktiv etwas dafür tut, ist alles gut. Viele Entscheidungen sind nicht so endgültig wie sie auf den ersten Blick scheinen.


Habt ihr euren Traumjob schon gefunden?

 

 

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