Wieso Verzicht nie die Lösung ist

Wir befinden uns bereits in der zweiten Hälfte des Jahres und ich gehe mal davon aus, dass nur die allerwenigsten immer noch versuchen, ihre Jahresvorsätze durchzuziehen. Wieso solche Vorhaben häufig scheitern, liegt meiner Meinung nach zu einem großen Teil daran, dass man oft dazu neigt, sich negative Vorsätze zu nehmen. Beispiele dafür wären „ich esse KEINE Süßigkeiten mehr“, „ich trinke KEINEN Alkohol mehr“ oder „ich kaufe KEINEN Plastik mehr“. Ich glaube alle, und besonders Kinder, kennen den Reiz des Verbotenen. Wenn man etwas nicht darf wird es plötzlich umso interessanter.

Es sind aber nicht nur die Verbote, die es einem schwer machen, Vorsätze einzuhalten, sondern generell alle „absoluten“ Begriffe. Wenn man sich etwas vornimmt, worin die Begriffe „immer“, „nie“, „kein“ oder ähnliches enthalten ist, ist das bereits zum Scheitern verurteilt. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und es ist sehr unwahrscheinlich, dass er etwas was er jahrelang gemacht hat, von einem Tag auf den anderen ändert. Außerdem ist es bei solchen Regeln, die man sich selbst setzt, auch so, dass wenn man einmal dagegen verstoßen hat, man das Gefühl hat, eh gescheitert zu sein und es dann auch wieder ganz lassen zu können.

Die meisten meiner Vorsätze ziehe ich tatsächlich noch durch – was aber auch daran liegt, dass sie nicht besonders krass waren, weil ich von Anfang an darauf geachtet habe, dass sie positiv formuliert und für mich realistisch sind. Ich habe nicht gesagt „ich kaufe kein Plastik mehr“, sondern „ich kaufe die Plastikfreie Alternative, wenn es eine gibt“. Ich habe nicht gesagt, „ich esse keinen Zucker mehr“, sondern „ich esse zum Frühstück ungesüßtes Müsli und nicht täglich einen Nachtisch“. Ich habe nicht gesagt „ich esse keine tierischen Produkte mehr“, sondern „ich esse weniger tierische Produkte“. Ich habe mich also keiner drastischen Veränderung ausgesetzt, sondern einen Kompromiss zwischen meinem „alten Lifestyle“ oder meinem „Ideal“ gefunden. Auf das ganze Jahr gesehen bin ich mir aber sicher, dass ich weniger Plastik kaufe, Zucker konsumiere und tierische Produkte esse, als wenn ich die ersten 2 Wochen im Januar in einem absoluten Verzicht gelebt hätte und dann, wegen einem schlechten Tag, alles hingeschmissen hätte.

Egal um welches Thema es geht – ob das Ernährung, Sport, beruflicher Erfolg, Minimalismus oder sonst was ist – man sollte daraus keine Religion machen, ansonsten wird man früher oder später zum Sünder. Es ist gut, sich zu hinterfragen und Bereiche, in denen man unzufrieden ist, zu verändern – aber immer in Maßen.

Dieser Beitrag hier soll auch ein kleiner Reminder sein, dass man nicht nur Ende Dezember über Vorsätze nachdenken kann, sondern eigentlich das ganze Jahr über. Wenn einen etwas stört, kann man das immer ändern – aber man sollte darüber nachdenken, wie man die Sache angehen möchte. Häufig ist es besser kurzfristig kleinere Erfolge zu erzielen und etwas dafür auf Dauer beizubehalten.

Wie sieht es mit euren Vorsätzen aus? Macht ihr euch welche, wann, wie und zieht ihr sie dann auch durch?:)

2 Gedanken zu “Wieso Verzicht nie die Lösung ist

  1. Maria schreibt:

    Ich habe erst vor Kurzem selbst einen Beitrag zu dem Thema verfasst und war erstaunt, wie viele Vorsätze ich doch eingehalten habe! Gleichzeitig ist mir aber aufgefallen, dass ich manche auch garnicht mehr verfolge, weil sich meine Lebensumstände einfach geändert haben und sie somit nicht mehr passen.

    Es ist gut auch bei seinen Vorsätzen flexibel zu bleiben und nicht so streng mit sich selbst zu sein. Immerhin, wie du schon sagtest, kann man nicht nur einmal im Jahr einen Start wagen, sondern zu jedem Monatsanfang, jedem Montag oder gar jeden neuen Tag.

    Gefällt 1 Person

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