Wie wollen wir globale Probleme lösen, wenn jeder in einer anderen Welt lebt?

„I want you to feel the fear I feel every day. And then I want you to act. I want you to act as you would in a crisis. I want you to act as if the house is on fire. Because it is.“ Greta Thunberg ist die Initiatorin der Fridays-for-Future-Bewegung. Sie kämpft seit einem knappen Jahr aktiv dafür, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel von der Politik anerkannt werden. Weil sie etwas sieht was so viele nicht sehen. Weil sie weiß, dass wir in einer Krise stecken, während der Großteil der Bevölkerung diese Tatsache ignoriert. Sie hat Angst um ihre Zukunft – um die Zukunft unseres Planeten – während für andere Geld und individueller Erfolg weiterhin die viel größere Rolle spielen.

Wenn jeder das sehen würde, was Greta sieht, wären wir nicht da wo wir jetzt sind – dann wären wir alle in Alarmbereitschaft, würden an einem Strang ziehen und würden unser persönliches Wohlbefinden dem des Planeten unterordnen. Doch die meisten sehen nicht was Greta sieht – ich auch nicht. Ich verstehe jedes ihrer Argumente und versuche meinen Lebensstil umweltfreundlicher zu gestalten. Allerdings besteht eine riesen Distanz zwischen mir und dem was gerade um mich herum passiert. Ich weiß es, aber realisiere es nicht. Glaube ich zumindest – ansonsten könnte ich nicht guten Gewissens weiterhin tierische Produkte konsumieren, fliegen oder fast Fashion kaufen.

Bereits in der Philosophie des 20. Jahrhunderts hat sich die erkenntnistheoretische Position des Konstruktivismus entwickelt, die genau dieses Phänomen erklärt. Es gibt nicht „die eine Wirklichkeit“, sondern jeder konstruiert in seinem Kopf seine eigene. Diese wird sowohl von dem Umfeld, indem man sich befindet als auch von seinen Genen, seinem Charakter auch seiner Erfahrung geprägt. Weder ich, noch du noch Greta kennen die Wirklichkeit – bzw. jeder kennt eine andere. Die Klimakrise ist jedoch ein globales Problem – eines das jeder sehen muss, damit ihm entgegengewirkt werden kann. Doch können wir eigentlich gemeinsam derartige Probleme lösen, wenn 7 Milliarden Menschen in 7 Milliarden Welten leben?

Jeder hat andere Prioritäten, andere Ängste und andere Ziele. Ich glaube, jeder kennt das Gefühl, dass niemand um einen herum einen versteht – dass niemand sieht, wieso einem so viel an einer Entscheidung, einem Thema, einem Hobby oder einer Person liegt. Manchmal sieht und fühlt man etwas, was für Außenstehende irrelevant, lächerlich oder sogar inexistent ist. Egal ob es Frauenrechte, Veganismus, Klimaschutz, Entwicklungshilfe oder Digitalisierung ist – jeder hat doch irgendein Thema, das ihm überdurchschnittlich wichtig ist. Wir sind alle unterschiedlich und im Prinzip ist das nichts Schlechtes. Das Problem beim Klimawandel ist jedoch, dass er nur aufgehalten werden kann, wenn dies jedem, der auf diesem Planeten lebt, überdurchschnittlich wichtig ist. Was uns fehlt, ist die Empathie – das Vermögen anzuerkennen, dass unsere eigenen Probleme nicht die wichtigsten sind.

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