Wieso nicht vegan?

An meiner Ernährung hat sich in den vergangenen Jahren so einiges verändert – ich bin vom täglichen Fleischesser zum überzeugten Flexitarier geworden und habe mir noch nie mehr Gedanken über Klimawandel und Tierwohl gemacht als zurzeit. Wieso dann aber nicht gleich vegan?

Für mich spielt der soziale Aspekt beim Essen nach wie vor eine sehr wichtige Rolle. In meiner Familie wurde Essen schon immer zelebriert – es war der Mittelpunkt jeder Feier und jedes Urlaubs. Genauso ist es auch mit meinen Freunden – ich würde ein gemeinsames Essen immer jeder anderen Aktivität vorziehen. Mir das entgehen zu lassen oder nicht vollständig daran teilzunehmen, weil meine Ernährungsweise sich nicht mit ihrer vereinbaren lässt, wäre für mich momentan ein zu großes Opfer. Für mich alleine vegan kochen ist die eine Sache – das Gegrillte von Papa, die Plätzchen von Oma oder die Torte von Mama ablehnen die andere.

Hinzu kommt, dass es immer noch ein paar Lebensmittel gibt, die ich unglaublich gerne esse, für die ich aber noch keine vegane Alternative gefunden habe – z.B. Kinderschokolade, Mozzarella oder auch Chili Cheese Burger. Natürlich brauche ich die nicht täglich und auch nicht wöchentlich, aber mich als Veganer zu betiteln und damit für immer darauf zu verzichten, würde mir schon schwerfallen.

Gerade unterwegs stelle ich es mir schwierig vor, sich jegliche tierische Produkte zu verbieten. Insbesondere, wenn man wie ich, auch nicht unbedingt alles vegane mag und dann auch alles mit z.B. Tofu oder Salat ablehnen würde. Natürlich ist es nicht unmöglich. Wer sucht, der findet oder ansonsten hat man auch immer die Möglichkeit, sich etwas von Zuhause mitzunehmen – aber irgendwie ist es immer mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Ich kann der Versuchung, die in Geschäften oder Restaurants lauert dann doch oftmals nicht widerstehen.

Ich weiß, dass es moralisch nicht richtig ist, wie wir Menschen mit Tieren umgehen – aber es ist mir irgendwie nicht bewusst genug, um deswegen über alle zuvor genannten Probleme hinwegzusehen. Außerdem glaube ich auch, dass das Label „Veganer“ einen gewissen Druck mit sich bringt. Sobald man sich als solcher betitelt steht man unter ständiger Beobachtung – von außen, aber auch von sich selbst. Und dann ist die Gefahr groß, dass man bei dem geringsten „Fehler“ alles hinschmeißt. Deswegen ist es aus meiner Sicht sinnvoller, mich, solange ich daran zweifele, dass ich es durchziehen könnte, nicht in diese Schublade zu stecken. Stattdessen frage ich mich, bevor ich etwas esse, ob es keine Alternative gibt und versuche das Essen umso mehr zu genießen. Mittlerweile ist es dadurch ganz automatisch so, dass ich mich häufig für pflanzliche Lebensmittel entscheide.

Meine Gründe nicht vegan zu leben, haben nichts damit zu tun, dass ich nicht von dieser Ernährungsweise überzeugt bin – ganz im Gegenteil. Ich weiß, dass man sich vollwertig pflanzlich ernähren kann, bin mir sicher, dass das der effektivste Weg ist dem Planeten was Gutes zu und bin nicht der Meinung, dass eine solche Ernährung unbedingt eintönig und langweilig ist. Ich finde es allerdings – das mag als simple Ausrede angesehen werden – leider immer noch sehr schwer in der heutigen Welt eine vegane Ernährung konsequent durchzuziehen. Ich bin mir sicher, sich rein planzlich zu ernähren, wäre das einfachste der Welt, wenn man das von Geburt an so beigebracht bekommen hätte, es jeder so machen würde und es keine anderen Optionen gäbe. Da dies aber nicht der Fall ist, kann man es, meiner Meinung nach, keinem übel nehmen, dem diese Umgewöhnung schwerfällt. Ich sehe allerdings einen Wandel – bei mir persönlich sowie gesamtgesellschaftlich – und jeder Schritt in die richtig Richtung ist wichtig. Wenn sich alles so weiter entwickelt, glaube ich, dass es in ein paar Hundert Jahren so sein wird, wie vor zwei Sätzen beschrieben – falls unsere Spezies bis dahin überlebt.

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