„Sinn & Unsinn unserer empathischen Automatismen“

„Sinn & Unsinn unserer empathischen Automatismen“ ist ein Zitat von Maren Urner aus dem Buch „Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“. Sie nutzt diese Bezeichnung, um zu beschreiben, wie wir Nachrichten wahrnehmen – dass uns beispielsweise ein Flugzeugabsturz mehr bewegt, wenn sich unter den Opfern Deutsche empfinden. Objektiv betrachtet macht die Art und Weise wie wir denken oder fühlen häufig nicht besonders viel Sinn. Dieser Abschnitt in dem Buch hat mich dazu inspiriert, unsere, bzw. meine Empathie weiter zu hinterfragen und einige ihrer Eigenarten hier zu sammeln?

  • Wieso unterteilen wir Tiere in „essbar“ und „nicht essbar“? Bei Hühnern, Kühen oder Schweinen ist es ganz normal, dass sie regelmäßig auf unseren Tellern landen, bei Hunden oder Katzen wäre es ein Verbrechen und Pferde und Kaninchen befinden sich in einer Grauzone. Nach welchen Kriterien nehmen wir diese Kategorisierung vor und was gibt uns das Recht dazu?
  • Wieso ekeln wir uns vor toten Tieren und würden es nicht mal anfassen, aber ein Stück Fleisch essen wir sogar?
  • Wieso sind Ereignisse für uns relevanter, wenn sie in der Nähe stattfinden, Landsmänner oder -frauen betroffen sind oder sie seltener vorkommen? Wieso fühlt sich ein Terroranschlag in Berlin schlimmer an, als ein jahrelanger Bürgerkrieg in Syrien?
  • Wieso bringen wir mehr Mitgefühl für einzelne auf als für Gruppen? Wenn Statistiken zu Altersarmut in Fernsehen gezeigt werden, schalten wir gelangweilt weg, während uns eine Reportage über die 80-jährige Renate, die Pfandflaschen sammeln muss viel mehr mitnimmt.
  • Wieso nehmen wir physische Krankheiten häufig Schlimmer wahr als psychische?
  • Wieso empfinden wir Schadenfreude im Allgemeinen und Spaß am leid anderer im TV im Speziellen?
  • „Treat others the way you want to be treated“ – wieso halten wir uns da nicht intuitiv daran?
  • Wieso würde jeder sein Zuhause verteidigen, sauber halten und darin investieren, während es nur die wenigsten mit unserem Planeten tun?

Mir ist schon klar, dass es für jede dieser Fragen wahrscheinlich psychologische Erklärungen gibt – und trotzdem finde ich es irgendwie komisch, dass unser Kopf so funktioniert.

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