„Welche Sprache sprecht ihr eigentlich in Luxemburg?“

Ich komme aus Luxemburg und bekomme im Ausland häufig die Frage gestellt, was denn meine Mutter- bzw. unsere Amtssprache sei. Während ich bezüglich meiner Muttersprache ganz klar Luxemburgisch antworten kann, bin ich mir bei der zweiten Frage häufig, selbst nach 22 Jahren, die ich mehr oder weniger in diesem Land verbracht habe, unsicher.  Ich weiß natürlich, dass wir ganz offiziell 3 Amtssprachen haben – Luxemburgisch, Französisch und Deutsch – aber das fühlt sich in der Realität dann doch ganz anders an.

Luxemburgisch ist unsere „Geheimsprache“ – der Großteil der Welt und selbst unserer Nachbarländer weiß nicht, dass sie existiert und selbst innerhalb des Großherzogtums wird man damit nicht überall verstanden. Deutsch ist unsere „Mediensprache“ – die meisten Luxemburger schauen deutsches Fernsehen, hören deutsches Radio und lesen deutsche Bücher. Innerhalb des Landes, zwischen den Menschen hört man diese Sprache aber nur sehr sehr selten. Ja, Französisch ist das, was ich, wenn auch nur ungern, als Amtsprache bezeichnen würde.

Auf Französisch bestellt man beim Bäcker sein Brötchen, fragt man beim Frisör nach einem Termin und liest man im Restaurant die Speisekarte. Ich würde sogar behaupten, dass es einfacher ist, in Luxemburg zurecht zu kommen, wenn man kein Luxemburgisch kann als, wenn man kein Französisch kann. Wie ihr vielleicht an der ein oder anderen Stelle zwischen den Zeilen lesen konntet, bin ich mit diesem Zustand nicht sonderlich happy.

In der nationalen Politik ist in den vergangenen Jahren immer wieder die Debatte entfacht, ob man nicht versuchen sollte, die luxemburgische Sprache wieder mehr zu etablieren und in einigen Branchen etwas vom Französischen wegzukommen. Die, die sich hierbei dafür ausgesprochen haben, das jeder, der in Luxemburg in direktem Kundenkontakt arbeitet, dazu verpflichtet sein sollte, nach einer gewissen Zeit Luxemburgisch zu lernen, wurden häufig in eine rechte Ecke gedrängt. Aber ist man gleich rechts, nur weil man an seiner Muttersprache festhält?

Neben dem Problem, dass ich manche, sehr spezifische Begriffe auf Französisch gar nicht verstehe, nimmt die französische Sprache mir persönlich in einer gewissen Weise das Heimatsgefühl. Ich kann mich zwar verständigen, fühle mich damit aber absolut unwohl. Im Urlaub eine Fremdsprache zu sprechen ist das Eine, nach HAUSE zu kommen und nicht einfach locker flockig drauf losreden zu können das Andere. Das können wahrscheinlich nur Leute nachvollziehen, die sich ebenfalls im Alltag mit einer Sprache herumschlagen, die ihnen so gar nicht liegt.

„So gar nicht liegt“ ist hier das Stichwort. Ja, das Problem liegt bei mir und anstatt mich über das System zu beschweren, könnte ich diese Zeit nutzen, um an meinen Französischkenntnissen zu arbeiten. Das werde ich auch tun – sollte ich mich je dafür entscheiden, wieder zurück in die Heimat zu ziehen, werde ich einen Französischkurs besuchen, um meinem Zukunft-Ich einige unangenehme Situationen zu ersparen.

Aber selbst, wenn mein Französisch irgendwann seine Topform erreicht, wird es sich für mich nie wie eine Muttersprache anfühlen. Deutsch würde ich als meine „beste Fremdsprache“ bezeichnen, und trotzdem fühlt es sich, wenn ich Deutsch rede, nur sehr sehr selten 100% natürlich und unbeschwert an. Beim Englischen ist es so ähnlich und von Spanisch brauchen wir gar nicht reden – vielmehr als „Hola, qué tal?“ ist hier leider nicht drin.

Ich möchte diese Mehrsprachigkeit gar nicht schlechtreden. Ja, es ist irgendwo ein Segen, sich in mehreren Sprachen verständigen und informieren zu können, aber es hat eben auch seine Schattenseiten. Meine Sprachkenntnisse kann man ganz gut mit den Worten „Von allem ein bisschen, aber nichts richtig“ beschreiben und das ist fine. Ich hab mich mittlerweile mit dem Akzent, den ich in eigentlich jeder Sprache habe angefreundet und rede mir jeden Grammatik- oder Vokabelfehler mit dem Gedanken „ach, bei so vielen Sprachen kann man einfach nicht alles perfekt beherrschen“ schön.

 

 

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