2 Tage offline | wie ein Millennial den Digital Detox erlebt

Jahrelang habe ich mich gegen das Prinzip des Digital Detox gestreubt. Ich war der Meinung, es wäre sinnvoller, etwas bewusst zu konsumieren als komplett darauf zu verzichten und dann nach kurzer Zeit wieder in alte Muster zu verfallen. Das sehe ich heute noch immer genau so. Allerdings verspürte ich vor einigen Tagen bei einem langen Spaziergang plötzlich das Bedürfnis, mich für einen begrenzten Zeitraum von der Online-Welt abzukapseln. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich einmal 2 Tage offline war, deswegen weiß ich nicht, was das mit mir machen würde und wahrscheinlich war es genau das, was mich daran so reizt. 

Mit dem Anfang der Quarantäne-Zeit schoss meine Bildschirmzeit – die ich vorher doch so gut im Griff hatte – in die Höhe. So langsam habe ich zurück in meinen, wenn auch etwas anderen, Alltag gefunden und mich weitestgehend von unsinnigem Scrollen durch Instagram und TikTok gelöst. Doch ich bin noch nicht an dem Punkt, an dem ich gerne (wieder) wäre – ich möchte das Internet wieder bewusster nutzen. Ich habe das Gefühl, davor muss ich erst einmal ganz auf Null sein, um mein liebstes Medium – das Internet – dann wieder mit klarem Kopf nutzen zu können.

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Aus diesem Grund galt an diesem Oster-Wochenende die Regel: offline sein. Ich „durfte“ mein Handy, mein Laptop und mein Tablet benutzen, aber eben im Flugmodus. Das habe ich für mich so entschieden, weil ich keinen Sinn darin sehe, auf das Schreiben, das Fotografieren, das Musik Hören und Ebook-Lesen zu verzichten. 

Samstag, 11.04 | eine perfekte Morgenroutine, ein entspannter Tag & ein kleiner Ausrutscher

In den Tag gestartet bin ich eigentlich wie immer. Ich habe mir nämlich schon seit Monaten/Jahren abgewöhnt, bereits im Bett ans Handy zu gehen. Somit bin ich um 8 Uhr aufgestanden, hab mir ein leckeres Frühstück gemacht (die ersten Erdbeeren dieses Jahr, yay) und mich zu meiner Familie ins Wohnzimmer gesetzt. Mir ist mehr als je zuvor aufgefallen, dass die anderen, nachdem sie fertig gegessen hatten, erstmal zum Handy griffen und recht lange scrollend verweilten. Vermutlich tat ich das immer genauso – doch heute nicht, heute aß ich meinen Obstsalat mit Kokosjogurt ganz genüsslich und tat danach auch einfach mal gar nichts – bisschen Katze Streicheln, bisschen aus dem Fenster schauen, bisschen Morgensonne genießen. 

Irgendwann, nachdem meine Eltern das Wohnzimmer verlassen hatten, griff ich dann zu meinem neuen Ebook („Im Grunde gut: eine neue Geschichte der Menschheit“ von Rutger Bregman) – ich lese zurzeit wirklich super gerne, aber hätte ich mein Handy in der Hand gehabt, wäre ich vermutlich gar nicht erst auf die Idee gekommen. Nachdem ich das erste Kapitel gelesen hatte, ging es weiter mit meiner Morgenroutine. 30 Minuten Pilates, Yoga, Stretching – heute mal ganz ohne begleidendes Youtubevideo. Dabei lies ich mir mehr Zeit als sonst, denn ich wusste, heute habe ich davon reichlich. Nachdem ich geduscht und mein 2-Minuten-Quarantäne-Make-Up aufgetragen hatte, saß ich mich an meinen Laptop – der sich selbstverständlich im offline-modus befand – und tippte ein paar Gedanken und Ideen runter, die für kommende Blogposts relevant sein könnten. Nebenbei schrieb ich jene von privater Natur in mein Bullet Journal und plante die kommenden Tage.

Vor dem Mittagessen folgte dann noch eine weitere kleine Lese-Session und good old Nintendo DS spielen mit meinem Bruder. Ich hatte zwischendurch schon das Bedürfnis zum Handy zu greifen und mir ein paar Insta-Stories anzusehen oder das vergleichsweise anstrengende Lesen durch das ein oder andere Youtube-Video zu ersetzen, aber dieser Gedanke verflog meist nach nur wenigen Minuten wieder.

Nachmittags hab ich mich mit meinem Buch in den Garten gesetzt und anschließend mit der Family Krocket gespielt. Anschließend habe ich zusammen mit meinem Bruder das Abendessen vorbereitet und nach dem Essen bin ich, wie zurzeit eigentlich fast jeden Abend, noch knapp 5 km spazieren gegangen. Hier habe ich dann tatsächlich zum ersten Mal an dem Tag zum Handy gegriffen, um – offline natürlich – Musik zu hören. Es hat mir schon irgendwie gefehlt, endlose Möglichkeiten bei der Musikauswahl zu haben, aber ich war mit meiner heruntergeladenen Playlist trotzdem zufrieden und konnte die Abendsonne und die frische Luft ganz normal genießen. Ich empfand allerdings es als sehr angenehm, zwischendurch nicht von irgendwelchen Benachrichtigungen aus der Idylle gerissen zu werden.

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Genau diese holten mich aber als ich zuhause angekommen bin, und versehentlich den Flugmodus ausgestellt habe, wieder ein. Als ich die Nachrichten von Freunden, die nicht wussten, dass ich 2 Tage offline sein wollte, sah, habe ich es nicht übers Herz gebracht, diese einfach zu ignorieren und habe ihnen schnell geantwortet. Nach nicht mal 5 Minuten war das Internet dann aber auch schon wieder abgeschaltet. Diesen kleinen „Ausrutscher“ empfand ich als halb so schlimm, weil ich nicht in dem Sinne „schwach geworden“ bin, dass ich unbedingt das Bedürfnis hatte wieder das Internet zu nutzen – ich habe lediglich ungeplant und dann aber sehr bewusst etwas erledigt, was ich persönlich in dem Moment als wichtig empfand. 

Den restlichen Abend verbrachte ich mit meinen Eltern auf der Terrasse. Im Bett habe ich dann nur noch wenige Seiten gelesen, bevor ich super schnell eingeschlafen bin. Ich bin positiv davon überrascht, wie wenig mir das Internet an dem Tag gefehlt hat. Ich konnte mich den ganzen Tag über super gut beschäftigen, sodass mir zu keinem Moment langweilig wurde. Das einzige was mir hin und wieder gefehlt hat, war eine leichte Unterhaltung, mit der ich mich zwischendurch kurz hinlegen konnte, ohne meinen Kopf dabei anstrengen zu müssen. Ansonsten habe ich wirklich nichts vermisst.

Sonntag, 12.04 | ein erkenntnisreicher Abschluss des Experiments

Der Sonntag sah nicht viel anders aus als der Samstag, wenn wir ehrlich sind – generell ähneln sich die meisten Tage in dieser Quarantäne sehr. Es war wieder eine gute Mischung aus Family Time, Essen, Lesen, Journaling, Schreiben, Krocket, Super Maria Bros, usw. – die Details erspare ich euch, um auch eurer Bildschirmzeit einen Gefallen zu tun.

Auch an diesem Tag ist es mir nicht schwer gefallen, alle Geräte im Flugmodus zu lassen. Für mich war dieses Experiment zum einen eine Wohltuende Auszeit und zu anderem eine tolle Erkenntnis für meine zukünftige  Internetnutzung.

Nach diesem zwei-tägigen Experiment möchte ich versuchen..

  • … die Flugmodus-Funktion öfter mal bewusst einzusetzen – sei es für 1 Stunde, in der ich einfach mal konzentriert arbeiten möchte, oder für einen ganzen Tag, an dem ich besonders viel Zeit für andere Dinge brauche.
  • … in den ersten und letzten 1-2 Stunden des Tages nicht online zu sein – besonders in dieser Zeit entspannt es mich sehr, nicht mit unendlich vielen, zum Teil irrelevanten, Informationen bombardiert zu werden, sondern mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
  • … double Screening zu vermeiden – dieses unbewusste nebenbei konsumieren, ist das, was mich an meiner bisherigen Internetnutzung am meisten stört.
  • … Zeit-Limits für bestimmte Apps einzustellen, damit ich nicht endlos herumscrolle, sondern mir bewusst das anschaue, was in dem Moment relevant ist.
  • … meine Notifications-Einstellungen zu überarbeiten – es gibt einige Apps, bei denen es wichtig ist, dass ich Mitteilungen bekommen und andere, von denen ich nur unnötigerweise abgelenkt werde.
  • … bewusster zum Handy zu greifen – nicht nur aus Gewohnheit, sondern weil ich es „wichtiges“ damit machen möchte.
  • … öfter Mal ein Digital Detox machen, wenn ich merke, dass meine Internetnutzung außer Kontrolle gerät oder ich mir einfach eine Auszeit gönnen möchte.

Auch wenn ich es nicht so sehr wie erwartet vermisst habe, freue ich mich, morgen nachdem ich enspannt in den Tag gestartet bin, wieder online zu gehen. Besonders freue ich mich merkwürdigerweise auf die Nachrichten. Ich war so im Corona-Game drin und habe alle Entwicklungen genaustens verfolgt, um dem Kontrollverlust weitestgehend entgegenzuwirklen – ja, ich freue mich tatsächlich auf den guten Herrn Wieler von RKI und seinen Lagebericht. Aber natürlich freue ich mich auch auf die Stories meine Lieblingsinfluencer und den Austausch mit meinen Freunden. Genauso freue ich mich nach dem tiefenentspannten Wochenende auf einen produktiven Montag – wozu ich nunmal auch das Internet brauche. Nach wie vor sehe ich das Internet als etwas, was mein Leben unglaublich bereichert und genau deshalb ist es mir so wichtig, es auch „richtig“ zu nutzen.


Wann wart ihr das letzte Mal 48 Stunden offline & ist euch das schwer gefallen?

5 Gedanken zu “2 Tage offline | wie ein Millennial den Digital Detox erlebt

  1. Helen schreibt:

    Hi Romy 🙂
    danke für deinen Artikel, das klang wirklich nach einem entspannten Wochenende!
    Deine Frage am Ende hat mich ein bisschen zum Grübeln gebracht, ich weiß nämlich echt nicht, wann ich zum letzten Mal so lange offline war… bei mir findet die Uni gerade online statt und wir haben auch einige Gruppenarbeiten, aber ich werde versuchen, bald zumindest mal einen Tag digital detox einzulegen. 🙂

    Liebe Grüße, Helen

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  2. bluehbirne schreibt:

    Hallöchen! Sehr interessanter Beitrag! Ich habe letztens eine 30 Tage Digital Detox Challenge gemacht, mich dabei aber nur von Social Media verabschiedet. WhatsApp habe ich weiter benutzt, meinen Laptop und das Internet, da ich alles für die Uni brauche. Ich fand das sehr angenehm und führe es auch weiter, willmeinen Konsum aber trotzdem noch radikaler zurückschrauben. Deine zwei Tage Detox Challenge im Flugmodus hat mich grade sehr dazu motiviert, wirklich mal komplett offline zu sein! Vielen Dank 🙂

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    • romywinter schreibt:

      Hey 🙂 oh ja das ist auch eine gute Idee! Ich arbeite allerdings im Social Media Bereich, weshalb das außerhalb des Wochenendes für mich etwas schwierig ist haha 😀 ich fand die 2 Tage offline auf jeden Fall schon super und kann es nur empfehlen! 😀 Vielen Dank für dein Feedback!
      Alles Liebe,
      Romy

      Gefällt 1 Person

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