Intuitiv arbeiten: Produktivität als stressfreies Erfolgserlebnis

Auch wenn ich jemand bin, der sehr gerne alles genau durchplant, musste ich in den letzten Jahren feststellen, dass das nicht immer der richtige Weg ist. An manchen Tagen ist man fitter, motivierter, konzentrierter als an anderen und deswegen sollte immer eine gewisse Flexibilität da sein – diese ist nicht nur förderlich für die Produktivität sondern auch für die mentale Verfassung dabei. Ich habe in diesen Semesterferien intuitives Arbeiten für mich entdeckt und gemerkt, dass mir so alles gleich doppelt so viel Spaß macht und ich trotzdem mindestens genauso viel schaffe. Es fühlt sich einfach weniger nach Arbeit an. Natürlich funktioniert das nur in Phasen, in denen die To Do Liste überschaubar und Zeit in Fülle verfügbar ist. Das wäre für mich nicht die richtige Strategie, um an einem wichtigen Projekt mit konkreter Deadline zu arbeiten, sondern halt wie jetzt gerade, in den Semesterferien oder während der Quarantäne produktiv zu sein.

„Intuitives Arbeiten“ ist keine Methode, die ich aus einem Buch zum Selbstoptimierung habe, sondern eine, die ich in den vergangenen Wochen ganz von alleine in meinem Alltag etabliert habe. Ich habe angefangen, mein Vorhaben, nicht mehr im Bett zu arbeiten, über Bord zu werfen – einfach, weil ich mich an manchen Tagen danach gefühlt habe. Ich habe wichtige Aufgaben hin und wieder unterbrochen, um zu lesen, oder andere To Dos zu erledigen, die in dem Moment eigentlich keine Priorität hatten – einfach, weil ich mich danach gefühlt hab. Mit dieser Herangehensweise habe ich erst viel später am Tag den Punkt erreicht, an dem ich mich mit Youtube-Videos ins Bett gelegt habe. Ich war viel länger am Stück produktiv, ich war motivierter, mein Tagesablauf war abwechslungsreicher. Als ich das gemerkt hab, hab ich aktiv angefangen, beim Arbeiten auf meine Inneres zu hören und das zu machen, wonach ich mich gerade fühle.

What

Wenn ich intuitiv arbeiten möchte, setze ich mir einen groben Fokus. Das kann ein Bereich sein, auf den ich mich an dem Tag konzentrieren möchte, wie zum Beispiel mein Blog oder die Uni, das Putzen und Ausmisten oder die Organisation. Genauso gut funktioniert es aber auch, wenn ich mir eine Aufgabe, die an dem Tag oberste Priorität hat vornehme und mich danach dem widme, wonach ich mich fühle.

Damit das funktioniert, finde ich es sinnvoll mir in solchen relativ entspannten Wochen keine täglichen, sondern wöchentlichen To Do Listen zu machen. Außerdem sorge ich dafür, dass die Aufgaben, die sich darauf befinden, möglichst abwechslungsreich sind. So kann ich dann auch die einzelnen Tage abwechslungsreich gestalten, in dem ich für eine gute Mischung sorge:

  • Etwas Anstrengendes, aber wichtiges wonach man ein gutes Gefühl hat wenn man es schafft (zB ein Teil einer Hausarbeit, Papierkram den man schon länger vor sich herschiebt,…),
  • Etwas Kreatives (zB Fotobearbeitung, Schreiben, Malen, Powerpoint erstellen),
  • Etwas Entspanntes, damit man wenn man ein Down hat etwas machen kann was einen trotzdem noch produktiv fühlen lässt (zb Lesen, Nachrichten, Dateien aufräumen)
  • Etwas Körperliches (zB Workout, spazierganz, Besorgungen, Aufräumen putzen)

When

Ich halte nicht viel von 9 to 5 und auch nicht von dem Lerchen und Eulenprinzip, denn das suggeriert einem, man sei ein bestimmter Typ. Ich zum Beispiel kann mich aber keiner der beiden Kategorien zuordnen – ich stehe eigentlich immer relativ früh auf, aber an manchen Tagen motiviert es mich total, noch früher aufzustehen um dann schon Mittags fertig zu sein oder gegebenenfalls schon vor der Uni einiges zu schaffen. An einigen Tagen liebe ich es, bis in die Nacht hineinzuarbeiten und an anderen bin ich froh, wenn ich um 18 Uhr Feierabend machen kann und den Abend dann einfach nur mit Essen und Fernsehen oder sonstigem verbringen kann

Wenn ich intuitiv arbeiten möchte, mache ich mir keinen Zeitplan, sondern mache das, wonach ich mich in dem jeweiligen Moment fühle. Manchmal starte ich lieber entspannt mit einem ausgiebigen Frühstück in den Tag und an anderen Tagen, hake ich lieber zuerst die wichtigsten To Dos ab und esse anschließend was. Genauso gibt es Tage, die ich mit Sport beginne und andere, an denen ich gar kein Sport mache oder das zwischendurch als eine Art „Pause“ einbaue. Auch die Reihenfolge, in der ich die einzelnen Aufgaben abarbeite lege ich vorab nicht fest.

Where

Auch auf die Frage „Wo arbeite ich?“ gibt es bei mir keine universelle Antwort. In einigen Momenten motiviert es mich total, gerade am Schreibtisch zu sitzen und in anderen möchte ich einfach nur im Bett liegen und arbeite dann einfach von da. Genauso kann es an einigen Tagen total hilfreich sein, sich zum arbeiten in die Bib oder in ein Cafe zu setzen oder sich mit anderen zum gemeinsamen Produktiv-Sein zu treffen. Keine der Methoden ist generell besser oder schlechter – wenn man aber erkennt, was einem in welchem Moment besonders guttut, kann das auch für die Produktivität super hilfreich sein.

How

Auch die Intuition kann trainiert werden. Ich merke, dass ich mit der Zeit immer besser lerne meine Gefühle während des Arbeitens zu interpretieren und so zu reagieren, dass ich automatisch produktiver bin und mich dabei auch besser fühle. Ich erkenne mittlerweile ganz gut, an welchen Tagen ich welche Aufgaben machen kann, wo ich mir meinen Arbeitsplatz errichte und wann ich anfangen und aufhören soll: Übung macht den Meister. Ich bin aber auch der Meinung, dass jegliche Methoden, die einen in Einklang mit sich selbst bringen, dabei helfen können, sich besser zu verstehen – so zum Beispiel die Meditation oder das Journaling.

Wichtig ist es, sich von Glaubenssätzen, die das intuitive Arbeiten behindern, zu lösen. Sei es der 9 to 5 Arbeitstag oder die Vorstellung, dass man eine Aufgabe immer abschließen sollte, bevor man die nächste beginnt. Man sollte Signale hören: Wenn man eine plötzliche Idee hat, muss man nicht zuerst seine Aufgabe abschließen, sondern sollte sich direkt daran setzen, diese zumindest zum Teil umzusetzen. Aus einem Impuls heraus zu handeln zieht oft wesentlich bessere Ergebnisse mit sich, als wenn man nach Plan arbeitet.

Außerdem sollte man dieses Prinzip nicht nur auf die Produktivität beziehen, sondern auch außerhalb der Arbeit auf seinen Körper hören. Das kann die Ernährung, das Outfit, die Raumtemperatur, die Musik, die Unterhaltung, die Bewegung und vieles mehr betreffen. Ich bin der Meinung, dass es weder ein Rezept zum Wohl Fühlen noch zum Produktiv-Sein gibt, welches auf jeden zutrifft – dafür sind wir alle viel zu unterschiedlich. Aus diesem Grund glaube ich, dass wir durch Selbstreflexion und Ausprobieren meistens zum besten Ergebnis kommen


Natürlich gibt es Phasen, in denen man es sich nicht erlauben kann, auf seine Intuition zu hören, weil man ansonsten die Deadline nicht einhalten oder ein wichtiges Ziel nicht erreichen kann. Das soll aber die Ausnahme sein. Generell soll Produktivität nicht mit Stress oder Druck verbunden sein, sondern sich wie ein großes Erfolgserlebnis anfühlen – und das tut es für mich mit dieser Methode.

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