Es ist nicht alles grün, was grün scheint | über Sportbekleidung, Influencer-Marketing und Nachhaltigkeit

Heute mal ein etwas spontanerer Sonntagspost – einer der nicht aus meinem Redaktionsplan, sondern aus meinem Mitteilungsbedürfnis heraus entsteht. Und zwar soll es um ein Phänomen gehen, welches ich seit Monaten, wenn nicht sogar Jahren auf Instagram beobachte und was mich immer wütender macht, je mehr ich mich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetze. Ich habe nichts gegen Influencer, ich habe nichts gegen Werbung und ich habe auch nichts gegen Marken, die diesen Kommunikationskanal exzessiv nutzen. Wogegen ich aber schon etwas habe, sind Unternehmen, die das Vertrauensverhältnis zwischen den Influencerinnen und ihrer Community ausnutzen, um sich als etwas zu positionieren, was sie nicht sind.

Konkreter geht es um eine Sportbekleidungsmarke, deren Namen ich an dieser Stelle nicht nennen muss, weil diejenigen, die diese Werbung kennen wahrscheinlich wissen, wen ich meine und alle anderen dann eh keine Gefahr laufen, darauf reinzufallen. Diese Brand gibt Unmengen an Geld dafür aus, dass Influencerinnen sich in ihren (zugegebenermaßen sehr schönen) Sport-Tops und -Leggings präsentieren und den immer identischen Text aus dem Briefing vortragen. „Und das Tolle daran: Die Klamotten sind zu 100% vegan und nachhaltig produziert“ kommt dann aus den Mündern von Leuten, die ansonsten eher weniger mit dem Thema Nachhaltigkeit am Hut haben – logischerweise, denn diejenigen, die ein wirkliches Nachhaltigkeitsbewusstsein besitzen, wären wahrscheinlich eher nicht für diese Werbung zu haben oder könnten diesen Satz zumindest nicht guten Gewissens über die Lippen bringen.

Ich konnte auf deren Website weder einen Nachhaltigkeitsbericht oder entsprechende Gütesiegel noch irgendwelche Informationen zur Lieferkette finden – falls sie da sind, sind sie gut versteckt – Transparenz sieht anders aus. Und ohne jetzt ein Textil-Fachmann zu sein, weiß ich, dass die Hauptbestandteile dieser Sportbekleidung Polyamid und Nylon nichts anderes als Plastik sind – vegan ist es, aber was genau jetzt daran besonders nachhaltig sein soll, ist mir noch unklar. Und das, was mich daran am meisten aufregt, sind die ständigen 50%-Rabattcodes und 1+1 Gratis-Aktionen. Es gibt nichts, was dem Konzept der Nachhaltigkeit mehr widerspricht, als Menschen, die ein Sport-Set brauchen, noch ein zweites hinterher zu werfen.

Das Ding ist, auch wenn das, was die Influencerinnen kommunizieren faktisch richtig ist und sie nachhaltig PRODUZIEREN…  es ist einfach irreführend. Die Leute kaufen diese überteuerten Klamotten und haben dabei das Gefühl, eine nachhaltige Marke zu unterstützen. Dabei ist diese Brand Ozeane weit entfernt (kleiner Hint) von Nachhaltigkeit.

Ich find die Sachen, die die verkaufen super schön, die haben auch ihre Daseinsberechtigung – wir sind eben leider noch nicht an einem Punkt, wo es nur noch Fair Fashion gibt – und das soll in keinster Weise ein Angriff an die Fans dieser Marke sein. Das Problem liegt einzig und alleine darin, dass die den Trend in Richtung nachhaltiger Leben schamlos ausnutzen und sich mit einem Begriff schmücken, der absolut nicht in Relation zur ihrem Handeln steht. Dieses Greenwashing führt nicht nur zu einem unverdient positiven Image dieser Marke, sondern diskreditiert auch jene Unternehmen, die Nachhaltigkeit ganzheitlich auf allen unternehmerischen Ebenen (auch im Marketing!) integriert haben.

Sorry für diese negativen Vibes heute, aber ich habe es als wichtig empfunden, meine kleine Reichweite dafür zu nutzen darauf aufmerksam zu machen, dass nicht alles grün ist, was grün scheint und nochmal zu unterstreichen wie wichtig es ist, mit Köpfchen an Kaufentscheidungen heranzugehen.

Damit wünsche ich euch einen guten Start in die neue Woche:)

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