Bachelorarbeit-Themen, die es nicht geworden sind | Irgendwas mit Social Media, Influencern, Klimawandel, Diversity und Politik

Inspiriert von Youtube-Mamis, die nach der Geburt ihres Kindes ein Video zum Thema „Namen, die es nicht geworden sind“ hochladen, dachte ich, es wäre vielleicht eine coole Idee, das Gleiche mit Bachelorarbeit-Themen zu machen. Die Themenfindung war für mich ein richtiger Struggle und hat mehr Zeit eingenommen als der Prozess der Umsetzung. Nicht, weil ich keine Ideen hatte, sondern weil ich zu viele davon hatte und dann aber bei der Konkretisierung gescheitert bin. Ich habe mir in den vergangenen Monaten (und Jahren) viele Gedanken dazu gemacht, worüber ich denn meine erste große, offizielle wissenschaftliche Abschlussarbeit schreiben möchte. Im Endeffekt habe ich mich für „Content Marketing für Zielgruppen mit nachhaltigem Lebensstil in der Modebranche“ entschieden und bin damit immer noch sehr zufrieden. Nichtsdestotrotz wäre es doch verschwendete Zeit, wenn meine anderen Ideen in meinen Handynotizen verschollen bleiben würden – also nutze ich sie für einen Blogpost. Ich möchte euch die Themen vorstellen, die es fast, aber dann doch nicht geworden sind. Die Liste ist eigentlich länger, ich möchte mich aber jetzt erstmal auf meine 6 Favoriten beschränken. Vielleicht ist ja für jemanden, der gerade in einem ähnlichen Fachbereich auf Themensuche ist ein Denkanstoß dabei.

1. „Social Media in der politischen Kommunikation – eine Analyse des Instagram-Auftritts von Philipp Amthor“

Ich glaube, wenn ich meine Bachelorarbeit im Sommersemester 2019 geschrieben hätte, wäre es dieses Thema geworden. Erinnern wir uns nicht noch alle an Philip Amthors „Rezo, du alter Zerstörer“ und allgemein die unzeitgemäße Reaktion der CDU auf die Kritik, die ihr entgegengebracht wurde?! Ich glaube, Social Media wird in der politischen Kommunikation eine immer größer werdende Rolle einnehmen. Immerhin werden immer mehr Digital Natives zu Wählern und kommunizieren nunmal nicht über Fax oder lassen sich von 13-Seitigen PDFs überzeugen. Wie ich das beobachten konnte, ist die CDU im Allgemeinen und Philip Amthor im Speziellen in den vergangenen Monaten immer mehr in diesem „Neuland“ angekommen. Im September 2019 hat er seinen ersten Instagram-Post hochgeladen und seitdem nutzt er diese Plattform relativ regelmäßig – wie vor Kurzem gesehen sogar auch zur Risikokommunikation. Ich stelle es mir sehr spannend vor, das, was er da macht, wie er es macht und wie die Resonanz darauf ist, mal genauer anzuschauen und mit den Qualitätskriterien aus entsprechender Fachliteratur abzugleichen. Denke, da kann man einiges an Handlungsempfehlungen von ableiten. Der Grund warum ich mich dagegen entschieden habe, was letztendlich einfach nur, dass es aktuell Themen gibt, die für mich persönlich eine größere Wichtigkeit haben.

2. „Die Auswirkungen von Cause-Related-Marketing (CrM) auf die Social Media Performance von Unternehmen.“

Erstmal für die, die nichts mit Marketing am Hut haben, CrM beschreibt vereinfacht die Strategie, dass Unternehmen einen Teil ihres Umsatzes an einen wohltätigen Zweck abgeben, um so den Absatz der entsprechenden Produkte zu fördern und gleichzeitig die eigene Reputation zu stärken. Ich würde es ganz interessant finden, mit einer Inhaltsanalyse zu untersuchen, wie Unternehmen CrM  in ihre Social-Media-Strategie integrieren und wie sich das auf ihre Performance auswirkt. Letzteres würde man dann eher durch Experteninterviews oder die Zusammenarbeit mit einem passenden Unternehmen herausfinden. Die Umsetzung ist bei mir daran gescheitert, dass mir kein Unternehmen eingefallen ist, was Cause-Related-Marketing so betreibt, dass man es als Positivbeispiel hätte anführen können. Insgesamt find ich die Kooperation von gewinnorientierten Unternehmen mit NGOs aber immer sehr spannend, weil sich hiermit sicherlich auch kritisch auseinandergesetzt werden kann.

3. „Diversity Management in sozialen Medien – Auswirkungen einer inklusiven Unternehmenskommunikation auf das Engagement und das Markenimage.“

Diese Themenidee hatte ich lange vor der „Black Lives Matter“-Bewegung, aber gerade dadurch hat es jetzt nochmal an Relevanz gewonnen. Man könnte einfach mal analysieren, wie viel Wert Unternehmen in ihrer Kommunikation über Soziale Medien auf Diversity legen. Wie groß ist die Vielfalt bezüglich Geschlechtern, Sexualitäten, Religionen, Körpertypen und Nationalitäten in den Inhalten der Unternehmen? Da hat es mir Anfang des Jahres noch an Beispielunternehmen gefehlt, bei denen eine Diversity-Management-Strategie in Social Media erkennbar ist – davon gibt es mittlerweile aber einige. Man könnte beispielsweise untersuchen, wie sich die Social-Media-Inhalte von Modelabels seit dem Tod von George Floyd diesbezüglich verändert haben und durch eine Befragung herausfinden, wie das bei den KonsumentInnen ankommt. Wird es als Ehrliche Bemühungen wertgeschätzt oder als profitorientiertes „auf den Trend aufspringen“ abgetan?

4. „CSR und Kommunikation über ‚Sinnfluencer‘ – eine Befragung zur Glaubwürdigkeit nachhaltigkeitsbezogener Influencer-Kommunikation“

Ich finde es ganz spannend, wie sich das Themenspektrum vieler InfluencerInnen in den letzten Jahren gewandelt hat. Weg von Fashion und Beauty hin zu Selbstoptimierung und Lifestyle. Immer mehr von ihnen integrieren auch das Thema Nachhaltigkeit in ihre Inhalte oder spezialisieren sich sogar darauf. Für diese Art der InfluencerInnen, die sich von der Konsumorientierung ihrer KollegInnen distanzieren und sich mit tiefgründigeren Themen beschäftigen hat sich nach und nach, zumindest in meiner Bubble, der Begriff „Sinnfluencer“ etabliert. Diese sind, meiner Meinung nach, für Unternehmen, die sich in Richtung Nachhaltigkeit positionieren möchten, ein sehr effektiver Werbekanal. Um diese Annahme zu bestätigen, könnte man eine Befragung zur Glaubwürdigkeit dieser Art von InfluencerInnen durchführen. Mein Problem dabei war, dass an meiner Hochschule (zumindest in unserem Fachbereich) Online-Umfragen in Bachelorarbeiten aufgrund mangelnder Repräsentativität nicht erlaubt sind – falls das bei euch lockerer gehandhabt wird, wäre so ein Thema in die Richtung aber super.

5. „Feindbilder im Web 2.0 – eine Analyse der Darstellung von Influencern in klassischen Medien“

Das war ein Thema, mit dem ich 2017 und 2018 geliebäugelt habe, als klassische Medien Influencer noch wesentlich weniger ernst genommen haben. Besonders rund um die Werbekennzeichnungsdebatte wurde viel Kritik in Richtung „die machen nichts als Schminkvideos, Schleichwerbung und Kinderausbeutung – die werden reich ohne dafür arbeiten zu müssen“ ausgeübt. Vielleicht berechtigte Zweifel an der Professionalität dieser Leute, vielleicht aber auch Neid auf die Reichweiten? Das hat sich in den letzten Jahren, wie ich finde, in jedem Fall gebessert und die Daseinsberechtigung von InfluencerInnen wird eigentlich kaum noch angezweifelt. Im Gegenteil ist es so, dass beide Medien sich immer mehr voneinander abgucken und sogar zusammenarbeiten. Nichtsdestotrotz fände ich es immer noch spannend, das Verhältnis zwischen InfluencerInnen und klassischen Medien zu untersuchen. In dem Kontext ist auch das Video von Rezo „die Zerstörung der Presse“ ganz interessant. Das wäre meiner Meinung nach eine etwas modernere Variante des klassischen Bachelorarbeit-Themas „das Verhältnis von Journalismus und PR“ – und trotzdem könnte man da die gleichen Theorien, also zum Beispiel die Determinations- und Intereffikationsthese, als Grundlage nutzen.

6. „Klimakrise in Sozialen Medien – wie FFF, Unternehmen und ‚Sinnfluencer‘ die Greta-Generation bewegen“

Ich glaube, dass Social Media super viel dazu beiträgt, dass gesamtgesellschaftlich das Interesse an Klimathemen und generell das Nachhaltigkeitsbewusstsein größer wird. Fridays for Future, Unternehmen, die die Nachhaltigkeit in ihren Markenkern integriert haben sowie InfluencerInnen, die sich mit dem Thema beschäftigen, schaffen es die Generation Y und Z zum Nachdenken und Handeln zu bewegen. Ich würde es spannend finden, zu untersuchen, wie genau sie das machen – welche Themen sind am relevantesten, welche Darstellungsformen und Quellen werden genutzt, wie wird mit der Community interagiert. Konkretere Gedanken habe ich mir dazu mich gemacht, da ich, während ich mir darüber Gedanken gemacht habe, auf mein aktuelles Thema gekommen bis und das andere deshalb verworfen habe.


Falls ihr euren Bachelor schon habt, schreibt mir gerne, was ihr studiert habt und worüber ihr eure Abschlussarbeit geschrieben habt. Finde ich super interessant 🙂

4 Gedanken zu “Bachelorarbeit-Themen, die es nicht geworden sind | Irgendwas mit Social Media, Influencern, Klimawandel, Diversity und Politik

  1. Jan schreibt:

    Ein mega inspirierender Blog-Post.
    Du hast mir auf jeden Fall einen Denkanstoß für meine Themenfindung machen können, auch wenn es tatsächlich eher weniger mit deinen Vorschlägen zu tun hat.
    Mach weiter so!!
    LG Jan 😘

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