Aktiv an Seminaren, Unterricht & Meetings teilnehmen | die Tipps eines Introverts

Die ersten 2 Wochen meines Masters liegen nun hinter mir und wenn ich darauf zurückblicke und das mit den ersten beiden Wochen (oder Jahren) meines Bachelors vergleiche, fällt mir eines ganz besonders auf: Die 2020-Romy ist wesentlich offener und mitteilungsfreudiger als die 2017-Romy. Lange Zeit hab ich mich hinter meiner „ach ich lasse die anderen mal lieber reden, die machen das schon ganz gut“-Fassade versteckt. Mittlerweile habe ich viel stärker das Bedürfnis, meine Meinung einzubringen und die Möglichkeit auf diesem Weg zu lernen zu nutzen – ganz intuitiv, ohne mich lange überwinden zu müssen, sondern, weil ich mittlerweile wirklich Spaß daran habe. Ein Wandel, den ich wichtig finde – immerhin ist es besonders im beruflichen und Uni-Kontext auch entscheidend, dass man mit seinem Auftreten in sozialen Situationen von sich und seiner Kompetenz überzeugt … alles andere wäre irgendwo auch verschwendetes Potenzial.

Ein Wundermittel hab ich nicht. Ich kann aber auf die letzten Jahre zurückblicken, Schlüsselmoment identifizieren und Tipps teilen, die mir geholfen haben – in der Hoffnung, dass irgendjemand das liest und daraus etwas für sich mitnehmen kann.

Schritt 1: Selbstreflektion

Ich finde es super wichtig, das eigene Verhalten zu reflektieren und herausfinden, wo genau das Problem liegt. Bin ich zu schüchtern? Fühle ich mich bei den Menschen unwohl? Hab ich Angst etwas Falsches zu sagen? Bin ich nicht von meiner eigenen Kompetenz überzeugt?

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meiner Dozentin im Modul „personale und soziale Kompetenzen“ im 2. Semester. Wir haben meine Note besprochen (ich war tatsächlich Kurs-Schlechteste, weil die mündliche Mitarbeit benotet wurde haha) und ich meinte dann irgendwas in Richtung „ich bin eigentlich gar nicht so schüchtern, ich bin nur manchmal zu bequem und lasse die anderen einfach reden“ und sie stimmte mir zu. In dem Moment, wo ich es aussprach verstand ich zum ersten Mal wirklich, woran es lag, dass alles in mir sich dagegen wehrte die Hand zu heben, obwohl ich die Antwort im Kopf hatte – und realisierte gleichzeitig wie dumm es ist.

Nicht (zu lange) nachdenken, machen!

Anknüpfend an diese Feststellung habe ich mich weiter beobachtet, um genauer festzustellen, woran es liegt, dass ich nicht diesen Reflex habe, meine Gedanken zu teilen, wenn der Dozent / die Dozentin eine Frage stellt. Dabei fiel mir eine ganz bestimmte Gewohnheit auf – diese abzulegen, war wahrscheinlich der Schritt, der mir das mündliche Mitarbeiten am meisten vereinfacht. Und zwar die, dass ich mir die Sätze immer im Kopf zurechtlegen wollte, bevor ich mich melde. Der Dozent / die Dozentin stellte eine Frage, ich hatte intuitiv eine Antwort im Kopf, doch anstatt diese zu äußern, suchte ich nach der perfekten Formulierung. In der Zwischenzeit kamen andere Wortmeldungen, die mir meinen Punkt vorwegnahmen oder mich daran zweifeln ließen, ob mein Gedanke so sinnvoll oder relevant sei. So blieben viele wahrscheinlich gute Antworten ungeäußert. Als ich dieses Problem bemerkte, fing ich an, nicht mehr lange zu überlegen, sondern einfach die Hand zu heben und mir selber zuzutrauen, dass ich in der Lage bin, spontan einen korrekten Satz zu bilden – das sind wir alle.

Finde deine Themen!

Sich Themen suchen, über die man gut reden kann, hilft meiner Meinung nach auch sehr. Mir fällt es wesentlich einfacher, über etwas zu reden, wo ich eine Ahnung und Meinung zu habe und so geht es, denk‘ ich, den meisten. In diese Themen sollte man sich so weit einarbeiten, dass man, sobald sie aufkommen, etwas zum Gespräch beitragen kann. Gerade in Schule, Uni und Job sind die Themen ja immer ähnliche – da ist die Vorbereitung gar nicht so schwer. Wenn man es dann bis gewohnt ist, aktiv an Diskussionen teilzunehmen, sind auch irgendwann in den Themenfeldern, in denen man vielleicht kein Experte oder keine Expertin ist, die Hemmungen geringer.

Intensive Auseinandersetzung mit relevanten Themen & bewusste Meinungsbildung

Ich glaube, ein Aspekt, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass es mir einfacher fällt, mich in Diskussionen einzubringen, ist, dass ich mich in den letzten zwei Jahren intensiver mit Themen auseinander gesetzt habe. Diese stärkere „Politisierung“ und auch die Aufbereitung meiner Gedanken für Blogartikel hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass es mir einfacher fällt, mir eine Meinung zu bilden und diese auch für andere nachvollziehbar in Worte zu fassen.

Das eigene Rollenverständnis

Wenn ich erstmal in die Rolle von „der Stillen“ geschlüpft bin und merke, dass es dort eigentlich ganz bequem ist, komme ich da nur noch schwer heraus. Ich weiß nicht, inwiefern das für euch nachvollziehbar ist, aber je länger ich in einer Gruppe nichts gesagt habe, desto schwerer fält es mir, den Mund zu öffnen – ich habe irgendwie das Gefühl dass je länger ich ruhig bin, desto mehr steigen die Erwartungen an meine Aussagen, wenn ich dann mal welche treffe. Aus diesem Grund versuche ich mich , wenn ich in eine neue Gruppe komme, von Anfang an möglichst viel einzubringen.

Aber auch in bereits bestehenden sozialen Kreisen kann das Hinterfragen, des eigenen Selbstbildes dabei helfen, „schlechte Angewohnheiten“ loszuwerden. Je länger man sich einredet „ich bin halt die die nie was sagt“, „ich bin halt die Unordentliche“, „ich bin halt die, die immer zu spät kommt“, desto schwieriger wird es sich von dieser Rolle zu befreien. Natürlich gibt es Menschen, denen es von Grund auf einfacher fällt, sich aktiv an Gesprächen zu beteiligen als andere – das sollte allerdings keine Rechtfertigung sein, um nicht weiter an sich zu arbeiten.

Die eigene Comfort-Zone hin und wieder verlassen

Ich habe meine social anxiety auch irgendwie ganz automatisch im Laufe des Erwachsenwerdens bekämpft. Telefonate, Gespräche, Situationen die früher noch unangenehm waren, sind nach dem 10. Mal kaum noch herausfordernd. Deswegen möchte ich an dieser Stelle nochmal dazu ermutigen, nicht immer den leichtesten Weg zu wählen und aber auf darauf zu vertrauen, dass vieles mit der Zeit einfacher wird. Ein bisschen „socially awkward“ werde ich vermutlich immer bleiben. Aber ich bin auf dem richtigen Weg haha

Challenges setzen

In den meisten Fällen wird es einem nicht von heute auf morgen super einfach fallen, sich in Gespräche einzubringen, wenn man zuvor immer der/die Ruhige war. Was mir beim „Übergang“ geholfen hat, war, mir kleine Challenges zu setzen: Beispielsweise habe ich mir vorgenommen mich mindestens 1 Mal pro Veranstaltung zu melden. Natürlich ist das am Anfang mit Überwindung verbunden, irgendwann wird es aber einfach normal – UND man hat immer kleine Erfolgserlebnisse!


Wie ist das bei euch? Fällt es euch leicht, euch aktiv an Seminaren, Unterricht oder Meetings zu beteiligen oder seid ihr eher die Zuhörer?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s